Projektvorschlag für die von FUSIONworldwide im Rahmen der 4. Internationalen Kunstmesse ART-MOSKWA, 16.-21.5.2000 organisierten Konferenz

 

e.w.e. - Exhibition Without Exhibition

(A.o.A. - Ausstellung ohne Ausstellung)

 

In den 80er Jahren kündigte sich eine deutliche Schwächung des Stellenwertes der Ausstellung als Repräsentationsform für Kunstobjekte an. Die Katalogproduktion verzeichnete Rekordzahlen, wobei die einfache Abbildung der Objekte meist im Vordergrund stand. Eine Ausstellung war kaum noch ohne diese dazugehörige Publikation vorstellbar. Gleichzeitig kam es im Übergang in die 90er vermehrt zur Umwandlung von Galerien in reine Verkaufsbüros; Art-Consultants übernahmen einen Teil des Kunstmarktes, womit die Präsentation von Kunstobjekten und Ůstrategien in Form einer Ausstellung weiter zurückgedrängt wurde.

 

Ausgehend von dieser Entwicklung und der Feststellung, dass die Ausstellungskataloge in den 90ern eine von den Ausstellungen unabhängige Position erreichten, d.h. durchaus ohne diese ihre Gültigkeit besitzen (andersherum immer seltener), plane ich eine Ausstellung ohne Ausstellung. Es wird alle gängigen Statements geben: Presse, Werbung, Katalog,..., jedoch ohne Ausstellung. Eingeladen sind KünstlerInnen, die mehr oder weniger projekthaft arbeiten, d.h. sich nicht nur auf die Produktion von Objekten beschränken. Die KünstlerInnen wurden nach ihren bisherigen künstlerischen Arbeiten und Strategien ausgewählt. Es gibt keine thematische Vorgabe für die Ausstellung. Die Beiträge sollen exemplarisch für die jeweilige künstlerische Position stehen.

 

Obwohl die entwickelten Projekte nicht realisiert werden, wird dennoch die Möglichkeit einer Umsetzung vorausgesetzt. Es geht nicht um vollkommen unrealistische, nicht realisierbare Arbeiten. Welche Entwicklungsstufe der Arbeit durch den Katalogbeitrag vermittelt werden soll, ob nur das Konzept vorgestellt wird, ob die Vorstellung, das Konzept sei schon realisiert worden oder das Projekt sei zeitlich überhaupt nicht an die Ausstellung gebunden, vermittelt werden soll, bleibt den KünstlerInnen überlassen. Zudem ist offen, ob ein bestehender —Raum" (Stadtraum, sozialer oder rein kommerzieller Raum, Medien, etc.), ob ein speziell für das Projekt entwickelter fiktiver (idealer) —Raum" benutzt wird oder gar nur auf situative Beziehungen (soziale, kommunikative,...) eingegangen wird. Die Diskussion um —virtuelle" Räume wird somit auch außerhalb des Internets geführt, obwohl sie zum Schluß in dieses zurückgeführt wird, da die gesamte Ausstellung auch über das Netz angeboten wird.

 

Nach der Fertigstellung des Kataloges ist eine intensive Öffentlichkeitsarbeit geplant (Besprechungen des Projektes in der Presse, Vorträge über die —Ausstellung", eventuell Radiobeiträge usw.). Jedem/r KünstlerIn werden 16 Seiten zur Verfügung gestellt, auf denen das Konzept des Projektes ausführlich dargestellt werden soll und für die ein eigenes Layout entwickelt werden kann. Die Hefte werden für jedes Projekt einzeln produziert und in einem gemeinsamen Schuber angeboten.

 

Liste der KünstlerInnen: Nathan Coley (Glasgow), Plamen Dejanov & Swetlana Heger (Wien), Jens Haaning (Kopenhagen), Sandra Hastenteufel (Stuttgart, New York), Olaf Nicolai (Berlin)

 

Konzept und Realisation: Tilo Schulz